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Montabaur: Neue Veranstaltung für Kunst-, Musik- und Theaterinteressierte

Eine außergewöhnliche und erfrischende Veranstaltung feierte am Wochenende in Montabaur Premiere: das Kulturwerkfestival. Auf dem Capitol-Kinogelände zeigten Künstler Bilder, Installationen und Skulpturen. Zudem gab"s ein Musik- und Theaterprogramm.

WWZ 2006-09-25MONTABAUR. Ein Mädchen mit schulterlangen blonden Haaren steht vorm Eingang von "Halle 5". "Komm hier her", ruft Carla und weist auf eine hohe Tür. Sie dreht sich um und verschwindet hinter dem steinernen Gemäuer des von außen recht unauffälligen Gebäudes - und betritt damit eine völlig andere Welt.

Was von außen als gewöhnlicher Lagerraum anmutet, birgt im Innern außergewöhnlich Auffälliges. Es sind die Werke zweier Künstler; der eine kommt aus Frankfurt, der andere aus der Schweiz, getroffen haben sich beide am Wochenende zum ersten Kulturwerkfestival in Montabaur: Mut Müller Deutsch und Jürg Tschümperlin. Die verbindet neben der Liebe zur Kunst, wahre Freundschaft. Seit mehr als zehn Jahren kennen sie sich, arbeiten immer mal wieder zusammen und teilten sich beim Festival auf dem Montabaurer Capitol-Gelände "Halle 5". Thema der Premiere, die die beiden Künstler zusammen mit dem Montabaurer Ensemble Theater und dem Verein Kulturwerkraum der Stadt veranstalteten, war passenderweise "Freundschaftsspiel Schweiz : Deutschland". Dass "Vollzeitkünstler" Müller Deutsch (49) und Tschümperlin (55), der hauptberuflich Tierhomöopath ist, ein eingespieltes Team sind, zeigte sich besonders in der intensivsten Arbeitsphase, eine Woche vor Eröffnung der offenen Ausstellung. Da wurde beinahe rund um die Uhr gearbeitet. "Wir haben aufeinander abgearbeitet", sagte Müller Deutsch, der "Halle 5" seit circa acht Monaten pachtet.

"Das Licht brannte jedenfalls immer, egal um welche Uhrzeit man hier vorbeifuhr", erinnerte sich Daniel Lipskey aus Elbert. Er erlebte die heiße Phase hautnah. Der 25-Jährige probte dort in dieser Zeit mit Arnulf Lambach (47) aus Dernbach, um als Gitarrenduo "Auszeit" bei der Eröffnung am Freitagabend perfekt einstudiert unterhalten zu können. Und was "Auszeit" da erfuhren, freute sie sichtlich. Helmut Knopp aus Kadenbach reiste nämlich mit Jutta Link extra wegen ihrer Musik an. Nebenbei knüpfte das Paar Kontakt zu außergewöhnlicher Kunst. Die mittig platzierten Installationen, riesig großen Bilder und hell erleuchteten Skulpturen sowie Lichtobjekte provozierten geradezu zur Kontaktaufnahme, indem sie an die Neugier des Betrachters appellierten. Zum Beispiel "Die Quelle" von Tschümperlin. Ein zwei Meter hoher Kasten mit Fenster. Beim Blick durch dieses, waren sogenannte Betonbinder auf Kohle liegend zu sehen, die durch rotes Licht angestrahlt, goldig schimmerten. "Erinnert mich ein bisschen an diese Fühlkisten, nur für die Augen", sagte Knopp, während er den Kopf ins Fenster streckte. Tschümperlin zeigte damit die Quelle des Goldes. Er spielt mit Gegenständen, zweckentfremdet diese und ordnet sie in einen neuen Zusammenhang. Gleich daneben konnte die Gemeinschaftsinstallation "Axomama" erlebt werden. Der circa zehn Personen fassende Raum erzählte innen und außen Geschichte. Im Inneren setzte Tschümperlin mit keimenden Kartoffeln, Kerzen, Muscheln, Safttüten und jede Menge anderen Materialien die Kartoffellegende plastisch um. Die auf der Außenseite durch Müller Deutsch bearbeiteten Wände, thematisierten die Eroberung von Mexiko durch Fernando Cortes. Auf den ersten Blick ziemlich skurril wirkte ein Objekt, das im großen Raum ein wenig unter zu gehen drohte: das Mäuseglück. Ein mumifizierter Katzenschädel an einer Mausefalle. Darüber hinaus verarbeitete Tschümperlin seine Eindrücke vom ICE-Bahnhof Montabaur, den er als Art Intensivstation wahrnimmt, in einem bearbeiteten Satellitenbild mit dem Titel "Engel von Montabaur" und kreierte ein Modell des ICE-Bahnhofs des Jahres 2050. Bei kühlen Getränken und kulinarischen Köstlichkeiten schlenderten die Besucher am Wochenende durch die Ausstellung von Thekla Greiner im Kulturwerkraum und durch "Halle 5", plauderten mit den Künstlern, verfolgten das abwechslungsreiche Musikprogramm oder sahen Aufführungen des Ensemble Theaters, während im Gebäude nebenan, Kinofilme über die Leinwand flimmerten. Und auch Halleneigentümer Thomas Wunderer, der sich unter anderem an der Sektbar nützlich machte, war ganz angetan vom ungewöhnlichen Wochenendspektakel: "Es scheint eine echte Subkultur im Westerwald zu sein."

Westerwälder Zeitung - 25.09.2006