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Montabaur: Stück "Brennende Geduld" wird im Capitol aufgeführt - Proben sind vielversprechend

WWZtheater100807Dichter, Revolutionär, Liebender - der Chilene Pablo Neruda war ein Mensch mit vielen Facetten. Um diese fesselnd darzustellen, probt das Montabaur Ensemble Theater fleißig.

MONTABAUR. Das Theaterstück "Brennende Geduld - Pablo Neruda und sein Briefträger" wird vom Montabaur Ensemble Theater, einer Kulturwerkraum-Arbeitsgruppe, viermal im Montabaurer Kino aufgeführt. Die WZ besuchte die Probenarbeiten, die schon erahnen lassen, wie bewegend die Darsteller das Stück über den berühmten Schriftsteller umsetzen werden.

"Die Aufführung findet im Rahmen des Kultursommers Rheinland-Pfalz statt. Dessen Motto ist "Rebellen, Reformatoren und Revolutionäre‘. Neruda ist eine große Figur in der Geschichte und hat sich bis zum Schluss für Gerechtigkeit und für andere eingesetzt", erklärt Projektleiterin Heike Lutter die Wahl des Stückes. Bekannt ist Neruda wegen seiner leidenschaftlichen Poesie. Seinem Kampf für soziale Gerechtigkeit verdankt er den Beinamen "Dichter der verletzten Menschenwürde". Der Literaturnobelpreisträger war Senator, Konsul und Präsidentschaftskandidat der Kommunistischen Partei Chiles. Er starb im Jahr 1973, zwölf Tage nach dem Militärputsch in Chile, an einem Krebsleiden.

Das Bühnenstück von Antonio Skàrmeta erzählt von der sich entwickelnden Freundschaft zwischen Neruda und Mario Jiménez, Briefträger und Sohn eines Fischers. "Das Stück vereint viele Geschichten, die vom privaten Menschen Pablo Neruda, von Liebe, von einer Lehrer-Schüler-Beziehung. Und es ist die Geschichte Chiles", erklärt Lutter. Nerudas Leiden an der Krankheit ist seinem Darsteller Thomas Müller-Brandes schon bei den Proben ins Gesicht geschrieben, die körperliche Schwäche und Hilflosigkeit fantastisch gespielt. Angst, Sorge, Trauer und Mitleid mit seinem Mentor spiegeln sich in Mimik und Gestik von Frank Musekamp, dem Darsteller Marios, wider. Regisseurin Natascha Retschy lässt sie ihr Wechselspiel proben. "Hier müssen wir früher auflösen", "Geh ihm entgegen und stütz ihn" und "Die Vorstellung, ins Krankenhaus zu müssen, ist für Neruda gruselig, bring ihm das behutsam bei", sind nur einige ihrer Anweisungen. Auch Müller-Brandes und Musekamp, der in der Montabaurer Schauspielschule ausgebildet wurde, machen Vorschläge und erarbeiten das Stück gemeinsam. Wie kann Mario den sterbenden Dichter stützen, damit es natürlich wirkt, wie auf seinen kurz aufblitzenden Lebensmut reagieren, ohne zu übertreiben? Während die Szene immer wieder geprobt und verbessert wird, hilft Regieassistentin Arina Horre mit einigen Textzeilen aus, die noch nicht sitzen.

Das Theaterstück in einem Kinosaal aufzuführen, ist das Besondere an der Inszenierung. Natascha Retschy: "Wir integrieren die Leinwand sparsam für die Übergänge, indem wir mit einer Videoprojektion von Ferdinand Barth, die Symbolisches wie Meereswellen zeigt, die Stimmung des Stückes unterstützen." Heike Lutter: "Ein Kino ist kein Theater. Ton, Licht und Beamer können wir erst kurz vor der Vorstellung installieren, weil wir auf den laufenden Kinobetrieb Rücksicht nehmen müssen."

Der Titel "Brennende Geduld" sei symptomatisch für das ganze Projekt, erzählt Lutter. "Wir haben zum Beispiel erst vor zwei Monaten erfahren, dass das Projekt für den Kultursommer angenommen worden ist, weil die Zusage auf dem Postweg hängen geblieben ist. Wir mussten den Hauptdarsteller umbesetzen, und das Geld ging zurück. Und wir wissen nicht, wie Montabaur auf das erste Theaterstück, dass der Kulturwerkraum aufführt, reagieren wird." Weitere Darsteller sind Anna Hilfrich als Beatrice und Heike Lutter als deren Mutter Rosa. "Die Polizisten, die im letzten Akt auftreten, werden per Tonaufnahme eingespielt. Sprecher sind Jürgen Lindner und Oliver Wolf." Zum Theaterstück geht's übrigens durch den Notausgang des Capitol-Kinos, vor dem ein Zelt aufgebaut werden soll. (pk)

Aufführungen sind am Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag, 16., 17., 18., 19. August, 20 Uhr, Capitol Kino 4, Werkstraße 1. Eintrittspreis: 13 Euro, Vorverkauf bei der Buchhandlung am Rathaus, Konrad-Adenauer-Platz 10, Montabaur, Telefon 02602/5333 oder auf www.kulturwerkraum.de


Westerwälder Zeitung vom 10.08.2007